Samstag, 4. Juni 2011

Die Begegnung der besonderen Art … oder wenn der Honigdachs zweimal klingelt

Unsere Reisegruppe hatte einen anstrengenden Safaritag im Etosha-Nationalpark hinter sich und wir hatten mal wieder unzählige Viecher unterwegs begegnet. Alles was das Herz begehrt. Von der Riesenstreichelkatze bis zum Elefanten. Leider gibt es noch keine Bar im Safaritruck, sondern nur schwitzende, nach Sonnencreme riechende und mit Fotokanonen bewaffnete Touristen (mich inkludiert). Zusammen machten wir vermutlich mehr als 3000 Bilder pro Sekunde von einem am Horizont erahnten Elefanten.

Late-Night-Peep-Show im Etosha Nationalpark
Zurück im Camp war mein Tierbeobachtungsdrang erst einmal gestillt für die nächsten 10 Jahre. Da war ich allerdings der einzige in der Gruppe. Alle anderen legten einen Triathlon bestehend aus Duschen, Essen und schnell zum Wasserloch laufen hin. Ein solches Wasserloch kann man sich in der Regel so vorstellen: Ungefähr alle Menschen die im Safaricamp übernachten, hocken allabendlich um eine Pfütze Wasser herum und versuchen mit ihrer Amateurkamera freihändig möglichst verwackelte Fotos von Tieren in der Dunkelheit zu ergattern.
Mir war wichtiger, mein Bierdefizit auszugleichen. So machte ich es mir mit einem Buch und einer  Flasche gekühltem Windhoek Lager draußen auf einer Bank unter unserem Pavillon gemütlich. Man glaubt nicht wie erholsam die Ruhe in so einem Camp sein kann, wenn alle anderen in der Late-Night-Safari Peep-Show sind.
Doch meine Ruhe sollte nicht für lange währen. Plötzlich hörte ich hinter mir ein lautes Rascheln. Ich drehte mich um und sah, dass sich keine 4 Meter von mir weg zwei Honigdachse über die Mülltonne hermachten. Ich sah die Viecher an, sie sahen mich an und fauchten. Ich saß plötzlich nicht mehr auf der Bank, sondern auf dem Tisch.  Es war still, sehr still. Das Interesse der Viecher an der Mülltonne war scheinbar verschwunden. Das große Tier auf dem Tisch interessierte Sie mehr. Mir schoss, die Frage durch den Kopf was ich jetzt machen sollte. Honigdachse sind leider nicht so süß, wie ihr Name klingt. Die Tiere sind etwa so groß wie ein normaler Dachs, beißen kräftig und haben vor nichts Angst. Genau das beunruhigte mich ziemlich. Denn am Vorabend hatte unser Scout uns nämlich noch ein paar blutige Safarigeschichten von den Viechern erzählt.
Nun saß ich also da und hatte irgendwie wieder das Bedürfnis nach Menschen. Aber es gab keine Menschenseele weit und breit. Zu interessant war scheinbar das große Betrinken der Tiere am Wasserloch. Und so vergingen die Minuten. Das Interesse der Honigdachse galt in Zwischenzeit wieder der Mülltonne. Noch nie im Leben hatte ich ein Vieh gesehen, das so leidenschaftlich Müllsäcke zerfetzte. Das war irgendwie faszinierend. Doch jedes Mal wenn ich mich bewegte, machten die Tiere mir mit einem Fauchen klar, dass ich mich nicht zu bewegen hatte. Das nennt man Gastfreundlichkeit!
Plötzlich hörte ich jemanden laut fluchen. Im nächsten Moment schoss unser Scout durch die Hintertür des Pavillons. Nun waren wir zu viert. Er sah mich, die Viecher und fing augenblicklich an die Tiere anzuschreien und warf den Tieren seine Sandalen an den Kopf. Das war den Honigdachsen dann doch zu viel und schlug sie in die Flucht. Erleichterung machte sich breit. Wie sich herausstellte hatte unser Scout kurz davor eines der Viecher in der Dusche begegnet.
Soviel zu Wildlife im Safaricamp. Der Abend endete mit einigen Flaschen Windhoek Lager und der Erkenntnis, dass auch ein Wasserloch-Triathlon durchaus seinen Reiz haben kann.

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